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Nr. 66           Heimatgruß           Dezember 2002


Der Heimatverein berichtet


Der Triebweg bei Hausen

Ein alter Handelsweg zwischen Ungarn und Frankreich. 
Entdeckt und erforscht von Martin Weber

Als ich im Herbst 2000 in Hausen einen alten Süßbirnbaum fotografieren wollte, sprach mich mein Siebenerkollege Georg Müller auf eigenartige Steine in der Hausener und Raindorfer Flur an. Auf der einen Seite war ein T zu erkennen, auf der anderen Seite standen fortlaufende Zahlen.

Wir untersuchten einen Stein, dessen unterirdisches Belegzeichen die Jahreszahl 1805 und die Buchstaben St. L. aufwies. Dies war ein Hinweis, dass Langenzenner Feldgeschworene diesen Stein gesetzt hatten. Nun stellte sich die Frage nach der Bedeutung des T. Nachforschungen in Archiven und Museen ergaben zunächst, dass kein Grundstückseigentümer mit dem Anfangsbuchstaben T ansässig war. 
Durch Zufall wurde ich dann im Sommer 2001 bei der Ausstellung "Ungarn-Bayern" in Passau fündig. Dort wurde ein Film über Franken gezeigt, in dem unter anderem große Viehherden von Ungarn nach Deutschland getrieben wurden. Und zwar an Nürnberg vorbei und weiter in westlicher Richtung, also auch durch das Gebiet um Langenzenn. Die Viehtriebe waren mit besonderen Steinen gekennzeichnet. Auf diesen Steinen war im Film ein T und an den Rast- und Weideplätzen waren besondere Steine, wie etwa Steinkreuze, zu erkennen. Als ich Fritz Güllich, selbst Siebener und erfahrener Steinforscher, von meinem Fund erzählte, bekam ich zur Antwort, dass es wohl keinen besseren Beweis für die Existenz eines Triebweges gebe, als einen Triebstein selbst und es sich hier somit einwandfrei um einen Triebweg handele.
Mit diesen neuen Erkenntnissen ließ sich nun auch die Bedeutung eines Steinkreuzes bei Hausen erklären, das von Michael Flier 1968 in einer Tiefe von 1,20 m bei Drainagearbeiten ausgegraben wurde. Es wurde von Dr. Leierseder an das Heimatmuseum vermittelt und vom Verein für Steinkreuzforschung Nürnberg an der Straße nach Hausen an einem Birnbaum wieder aufgestellt. Nach einer Beschädigung durch einen Verkehrsunfall im Jahr 2001 und anschließender Wiederinstandsetzung wurde es am neu angelegten Siebenerplatz (dazu später) 2002 aufgestellt.

Das bei Drainagearbeiten 1968 entdeckte Steinkreuz von Hausen.

Das bei Drainagearbeiten 1968 entdeckte Steinkreuz von Hausen.
Es sind noch einige solcher Steine mit dem T an den originalen Standorten vorhanden. So beispielsweise die Steine mit den Nummern 69 bis 76 bei Raindorf und weiter nach Hausen bis zu der Stelle, an der das Steinkreuz gefunden wurde. 
Bei Hausen stand einst ein Turmhügel und auch die alte Handelsstraße von Nürnberg über Langenzenn nach Straßburg führte daran vorbei. Hier befand sich ein Umspannplatz für Fuhrwerke mit Stallungen. Es ist daher davon auszugehen, dass ein Triebweg von Ungarn über Deutschland bis Belgien und Frankreich verlief und bei Hausen ein Rastplatz war. 

Nachforschungen haben ergeben, dass der Stein mit dem Beleg 1805 und dem T für Trieb aus dem 16. Jahrhundert stammt. Das Triebrecht gestattete nur den Durchtrieb, er wurde von der Gemeinde (Vogteiamt) zwei bis drei Mal im Jahr angeordnet. Wurde ein Steinkreuz wie in Hausen aufgestellt, war damit das Recht auf Tratt oder Weyd verbunden, das einem gestattete, sein Vieh an dieser Stelle auch weiden zu lassen. 

Dass man das Steinkreuz mitten auf einer Wiese gefunden hat, ist ein Beleg dafür. 
Wer den Triebstein und das Steinkreuz im Original sehen oder mehr über Bedeutung und Art von Grenzsteinen, Grenzwällen, Feldraine und deren Pflanzen erfahren möchte, kann dies auf dem im September 2002 neu eingeweihten Siebenerplatz zwischen Langenzenn und Horbach tun. 

Eine gut gemachte Übersichtskarte mit kurzen Erläuterungen gibt Auskunft über die Geschichte und Art der um Langenzenn gefundenen und außergewöhnlichen Grenzsteine.

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